Unsere Tallinn-Reise 1. bis 8. Juli 2019

1.7. Anreise

Spät in der Nacht kamen wir am Flughafen in Tallinn an. Die Überraschung war groß, als uns ein Empfangskomitee des Tallinner Frauenchores von Kyllikki mit einem Ständchen begrüßte. Kyllikki war unsere Reiseleiterin, die das Programm vor Ort organisiert hat. Wieviel wir ihr zu verdanken haben, sollte sich jedoch erst noch im Laufe dieser Reise herausstellen.

2.7. Stadtbesichtigung, Olde Hansa, 1. Konzert, Kochi Aidat

Am Dienstag stand uns ein volles Programm bevor. Zunächst führten uns Kyllikki und Virve, unsere 2. Reiseleiterin in getrennten Gruppen durch die tallinner Alttadt. Viele von uns, die vor 6 Jahren bereits in Tallinn waren, staunten darüber, wie sich die Stadt in dieser Zeit herausgeputzt hat. Viele der alten Häuser sind in der Zwischenzeit renoviert worden. Aber es wird auch immer noch viel gebaut. Die Uferpromenade, auf der wir später zum Sängerfest gehen sollten, war noch eine einzige Baustelle.

Wir kehrten in die „Olde Hansa“ ein, einem urigen Wirtshaus, dessen Innenräume nur vom Kerzenschein erleuchtet waren. Auf den Tischen standen bereits die ersten Speisen.  Die dargebotenen Speisen und Tränke wurden in Tontöpfen serviert und waren wunderbar gewürzt. Selbst das Bier war gewürzt, wer das wollte. So mußten früher die Kaufleute der Hanse getafelt haben!
Viel zu früh drängen unsere beiden Reiseleiterinnen zum Aufbruch, denn uns stand ja noch das Konzert bevor.

Im Hotel hatten wir noch eine halbe Stunde Zeit, um unsere Konzertkleidung anzuziehen. Und dann gings auch schon los mit dem Bus zur Johanniskirche.
Ja, was soll man zu einem Konzert sagen, daß sicherlich nicht zu den glanzvollsten der Liedertafel gehörte. Man merkte den Sängern an, daß ihnen noch der Flug und die kurze Nacht in den Knochen steckte.  Den geschulten Ohren unserer Förderer entgingen natürlich nicht die daraus resultierenden Patzer. Bleibt nur zu sagen, daß das 2. Konzert besser werden sollte.

Umso besser klang der sich anschließende Frauenchor von Triin Koch. Triin war eine der Dirigentin, die später beim Sängerfest an beiden Tagen ihren großen Auftritt haben sollte. Es muß ein unglaubliches Gefühl sein, tausende Sänger zu dirigieren. Aber ich greife vor. Auch in der Kirche hörte sich ihr Chor toll an und auch das gemeinsame Singen von Heilig, Heilig und Sanctus Püha war für alle ein schöner Abschluß des Konzertes.

Wir und Triins Frauenchor fuhren mit zwei Bussen wieder in Richtung Hotel. Diese setzten uns jedoch nicht direkt dort ab, sondern ganz in der Nähe beim Kochi Aidat, einer Lokalität mit großem Saal. Das Buffet war wirklich herausragend und sogar eine Sorte Bier gehörte zum freien Nachschenken dazu.
Unsere Chöre sangen abwechselnd Lieder und der Frauenchor stimmte auf estnisch ein, als wir unser „Trink, trink, Brüderlein trink“ zum Besten gaben. Zum Abschluß überreichten wir die Geschenke. Unter Anderem erhielt jeder unserer Sänger eine 2 Euro-Münze mit einem Motiv für das Sängerfest, daß ein Mädchen aus Estland gestaltet hat. Im Gegenzug überreichten wir unsere Kaffeepötte mit dem Berliner Fernsehturm als Aufdruck. Es war ein sehr schöner, aber viel zu kurzer Abend.

3.7. Haapsalu, 2.Konzert

Der nächste Tag bescherte uns einen Tagesausflug zum am westlichen Rand Estlands liegenden Städtchen Haapsalu. Auf dem Weg dorthin machten wir jedoch erstmal einen Zwischenstopp an einem im Wald gelegenen Musikzentrum, welches das Werk des estnischen Komponisten Arvo Pärt dokumentiert, der dort auch wohnt.

In Haapsalu, welches der Schauplatz des Films „Die Kinder des Fechters“ ist, wanderten wir die Uferpromenade entlang. Am Ende des Weges steht eine Bühne, deren Existenz wir mit der Aufführung der Kaperfahrt quittierten. Und da das Singen hungrig macht, kehrten wir schleunigst ins daneben gelegene Kurhaus ein, in dessen großem Saal wir uns bewirten ließen.

 

Frisch gestärkt waren wir bereit für unser 2. Konzert, welches ebenfalls in der örtlichen Johanniskirche aufgeführt wurde. Wir ertönten deutlich wohlklingender als beim 1. Konzert. Auch die Frauen vom Kaasike-Chor sangen sehr schön und am Ende brachten wir das Sancta Maria und das Sanctus Püha gemeinsam zur Aufführung.

Nach dem Konzert hatten die Frauen in einem Nebenraum der Kirche einen kleinen Imbiss aufgebaut. Wir holten Bier, Wein und Wasser aus dem Bus und so konnte das fröhliche Beisammensein beginnen. Nach fröhlichem Trunk und Gesang überreichten wir die Kaffepötte an die Frauen. Nun wurde es Zeit für den Abschied und wir begaben uns nach draußen. Nun ja, der Abschied zog sich dann doch noch etwas hin, denn jeder Chor wollte das letzte Abschiedsständchen singen. Am Ende hakte sich unser Chor bei den Frauen ein und führten noch einen Kreistanz auf, während ich das übrige Bier rettete. Den restlichen, noch reichlich vorhandenen Wein und das Wasser überließen wir den Frauen. Auf der Heimfahrt machten wir einen Zwischenstopp am schönen haapsaluer Bahnhof.

4.7. Wasserflugzeug-Museum, Dampfer Katharina, Mahnmal

Für diesen Tag stand zunächst das Wasserflugzeug-Museum auf dem Programm. Eigentlich ist der Name unpassend, denn dort gab es nur ein Wasserflugzeug, aber dafür noch viele andere Dinge, wie ein U-Boot zu bestaunen. Das Gebäude ist ein wieder aufgebauter Luftschutzhangar.

Danach hatten wir die Gelegenheit, einen zum Museum gehörenden Eisbrecher zu besichtigen. Anschließend begaben wir uns auf den Dampfer Katharina, der uns die nächsten Stunden auf der Ostsee herumschippern würde. Das Buffet an Bord war herausragend. Selbst nach 2 Stunden sah es immer noch gut gefüllt aus, und das will bei der Liedertafel was heißen. So konnten wir uns frisch gestärkt unserem Geburtstagskind Markus widmen, dem wir ein Ständchen darboten. Auch der von ihm mitgebrachte Schnaps tat seinen Beitrag zur gelösten Stimmung an Bord. Nun lockte das Sonnendeck, von dem man ungetrübt die restliche Zeit das Meer und die Küste auf sich wirken lassen konnte.

Zurück an Land ging es gleich wieder in den Bus und wir fuhren nach einem Foto-Stop an der Küste  zum Mahnmal für die Opfer des Kommunismus in der Zeit der Sowjet-Herrschaft.  Wenn man dort ankommt, geht man zunächst durch einen hohen langen nach oben offenen Gang, in dessen Wände die Namen der Opfer eingraviert sind. Am Ende des Ganges kamen wir auf einen Platz, auf dem uns Kyllikki davon erzählte, wie die Sowjet-Besatzung ihr Leben, das ihrer Familie und der Esten insgesamt beeinflußte. Viele Ihrer Landsleute wurden damals nach Sibirien verschleppt.

5.7. Tanzfest

Auf dem Weg zum Tanzfest sahen wir aus dem Bus heraus bereits viele Tanzgruppen in ihren bunten Trachten und diese machten neugierig auf später. Das Fest war ein bombastisches Spektakel, welches eigentlich unbeschreiblich ist. Man muß es selbst mit eigenen Augen gesehen haben, denn das Video vom Finale und die Fotos können in keiner Weise das eigene Erleben dieses Höhepunktes ersetzen.

Auf dem Tanzfest hielt sich das Wetter relativ gut. Nur eine kurze Husche ereilte uns, die wir jedoch mit unseren mitgebrachten Regenponchos mühelos parieren konnten.

Danach mußte der Herrgott beschlossen haben: „Genug erlebt für heute!“ Denn die danach durchgeführte Besichtigung der Oberstadt wurde eine sehr feuchte Angelegenheit. Am Ende war wohl jeder froh, daß wir wieder im Hotel waren.

6. und 7.7. Sängerfest

Am Vormittag erholten sich die Meisten von den Strapazen der letzten Tage.

Um 13:00 Uhr startete der Festumzug der Sänger und Tänzer zur Sängerwiese. Wir gesellten uns zu der Menge, die dem Zug zujubelten. Unser Schriftführer geriet dermaßen in einen Trachtenrausch, daß er nicht davon abzuhalten war, sich ein völlig überteuertes Leinenhemd zu kaufen. Irgendwann begleiteten wir den Zug, der sich über Stunden nicht enden wollend hinzog, in Richtung Sängerwiese.

Auf dem Veranstaltungsgelände war bereits ein unüberschaubares Treiben zugange. Unzählige Verkaufsstände mit Ess- und Trinkbarem reihten sich aneinander. Nur Alkoholisches war nicht erlaubt – ein Umstand der auch am 2. Tag durch die Schmuggelaktivität eines Sangesbruders nur unzureichend Linderung erfuhr. Auch während des Konzertes war es bei den Freßbuden immer so voll, daß man den Eindruck hatte, daß 150.000 wegen dem Konzert gekommen sind und nochmal 150.000 wegen dem Essen und der Souvenierstände.

Ich fand die Konzerte an beiden Tagen so beeindruckend, daß ich einige Höhepunkte als Mitschnitt des estnischen Fernsehens auf einer zweiten Seite herausgegriffen habe. Es ist einfach ein unbeschreiblicher Klang, wenn in der Spitze bis zu 20.000 Sänger auf der Bühne zusammen mit mehreren Sinfonieorchestern Chormusik zelebrieren. Dabei wirkte die Musik niemals altbacken, sondern immer modern, fröhlich und mit poppigen Beats unterlegt.

Am Ende des 2. Konzerttages  verabschiedete sich eine kleine Abordnung von Triin und ihren drei Chören. Thomas hielt eine kleine Dankesrede auf Englisch und dann sangen wir unseren Wahlspruch. Die Anderen waren währenddessen bereits mit dem Bus zum Hotel unterwegs, weil dieser auf dem Gelände nicht solange warten durfte.

Sonstiges & abends

Auf der Dachterasse des Radisson-Hotels hatten wir einen wunderbaren Ausblick über die Stadt.

Am Morgen des 2. Tages des Sängerfestes hatte ich Gelegenheit, nochmal auf eigene Faust die Oberstadt zu erkunden. Ich war unter anderem in dem Museum, welches in die Stadtmauer und ihre Türme integriert ist. Von einem Turm führt ein ca. 300 Meter langer Tunnel nach unten, der weitere Ausstellungsstücke beherbergt und der im 2. Weltkrieg als Luftschutzbunker diente.

Vor der Johanniskirche, in der wir unser 1. Konzert hatten, konnte ich noch einmal das tanzende Volk in seinen Trachten erleben.

8.7. Rückreise

Turboprop-Maschine von Tallinn nach Helsinki

Die Nacht nach dem 2. Konzert war wieder eine kurze. Denn um 6:15 Uhr sollte der Bus zum Flughafen abfahren. Hut ab vor dem Hotel, welches dazu das Frühstück um 5:30 in voller Pracht auffuhr. Überhaupt war das „Hestia Hotel Europa Tallinn“, abgesehen von den elektronischen Zimmertüren, die nicht immer funktionierten, sehr gut.
Im Bus ergab die Bestandsaufnahme der „Human Resources“, daß alle vollzählig waren, und so ging es fast pünktlich zum Flughafen, wobei Kyllikki mit im Bus war und auch ihr Mann Enn mit Auto zum Flughafen kam.
Bevor wir wieder, wie auf dem Hinflug über die Zwischenstation Helsinki nach Berlin zurückflogen, verabschiedeten wir uns auf dem Flughafen ausführlich von Kyllikki und Enn – und brachten unseren Dank für die tolle Organisation der Reise zum Ausdruck. Kyllikki ist ein paar Tage vorher nochmal alle Stationen abgefahren um sich zu vergewissern, daß alles klappt und auch Enn und Margi, die Chefin unseres Reisebüros haben viel mitorganisiert. Dazu kann ich nur sagen

Aitäh, Kyllikki, Enn ja Margi.

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2 Antworten auf „Unsere Tallinn-Reise 1. bis 8. Juli 2019“

  • Klaus Lehmann sagt:

    Lieber Marco, herzlichen Dank für Deine fleißige Arbeit zur Vorbereitung dieser Reise und diesen ersten vorliegenden Reisebericht in Wort, Bild und Videos. Gern denken wir an diese Tage zurück und sind stolz darauf, dass wir Teilnehmer waren. Im nachfolgenden Merker werden ja weitere detaillierte Berichte zu lesen sein. Das Sängerfest war ein „kollektiver Ohrenschmaus“, hörte ich einen Sänger im Bus verlauten. Wie recht er doch hat. Herzlichen Dank selbstverständlich auch an Mattias Funk und sein Wirken in Vorbereitung und Durchführung der Tallinreise. Mit lieben Grüssen Margitta Heinrich und Klaus Lehmann.

  • Rainer Markert sagt:

    Hallo Marco, Du hast dir solche Mühe gemacht und zeitaufwändig einen Bericht zusammengestellt. Ich danke dir und gratuliere dir zu dieser fantastischen Arbeit. Es ist einfach wunderschön und gut gelungen, bei mir hat es große Freude ausgelöst und ich weiß deine Arbeit zu würdigen. Ich bin mehr ein Mann des Wortes und schreibe gerne, trotzdem hast du auch Fotos von mir dabei. Danke. Ich habe noch eine alte Kamera und habe wenig fotografiert, habe auch etwas geschrieben, was unsere Reise tangiert und es Jochen zugesandt für den Merker. Witzig ist dabei, dass ein Sangesbruder aus Kapstadt aufgrund eines dortigen TV-Berichts über das Fest in Tallinn für den Cape Town Male Voice Choir berichtet hat. Ich habe ihm gleich erzählt, dass ich dabei war. Nochmals danke, Marco, gut gemacht. Rainer M.