6.30 Uhr: der Wecker klingelte! Schnell geduscht und runter in den Essenssaal zum Frühstück. Danach fertig machen für das Konzert: schwarzer Anzug, schwarze Schuhe, schwarze Fliege. Unsere Sangesbrüder von Cäcilia tragen traditionell blaue Fliegen, so ließ sich unterscheiden, wer welchem Chor angehört. Apropos Männerchor Cäcilia Berlin 1890 e.V.: es war wirklich toll, dass 16 Sänger von diesem wunderbaren Chor mitgereist sind. Wir waren also praktisch zwei Chöre, die sich in Helsinki (und bei den Proben zuvor in Berlin) zu einem stimmgewaltigen Ensemble vereinigten. Und das hatte seine klangvolle Wirkung in der Felsenkirche! Das Gotteshaus lag nur einige Minuten entfernt von unserer Unterkunft. Der Name Felsenkirche deswegen, weil sie unter der Erde bzw. im Felsen liegt. Das Imposante ist der Innenraum. Er wird von unbehandelten Felswänden umgeben, darüber eine kreisrunde Dachkonstruktion. Getragen wird das Dach von 180 länglichen Fenstern, die durch filigrane Betonstreben getrennt sind. Bei hellblauem Himmel hatte man das Gefühl in die Unendlichkeit des Universums zu schauen. Immer wieder änderte sich der Eindruck, wenn das Himmelslicht wechselte – ein mystisches Gefühl!
Und dann diese Akustik!! Nicht umsonst ist die Kirche bei Musikern für Konzerte begehrt. Dank unserem Gastgeber, dem Seniorchor Konkarit Helsinki, hatten wir die Gelegenheit bekommen, dort für 60 Minuten aufzutreten. Chorleiter Vincent Jaufmann wählte für das Promenadenkonzert 14 Lieder aus. Beim letzten Stück dem „Finlandia“ erhoben sich die Sänger von Konkarit von ihren Sitzen. Gilt doch das Lied 1899 von dem Komponisten Finnlands, Jean Sibelius, als heimliche Nationalhymne. Das Publikum in der fast vollständig besetzten Kirche setzte sich international zusammen, viele Asiaten waren unter den Zuhörern. Sie lauschten den Tönen u.a. vom Auftakt „Lasst uns wie Brüder“ (Mehul), über den „Lindenbaum“ (F.Schubert) und „La Montanara“ (Ortelli/Pigarelli) bis hin zu „We shall ovecome“. Viel Beifall gab es für uns!
Nachmittags stand dann eine Stadtrundfahrt an. Und wen „besuchten“ wir unterwegs? Richtig, Jean Sibelius; aber nicht persönlich, sondern das 1967 ihm zu Ehren errichtete Denkmal, bestehend aus rund 650 Stahlrohren, daneben eine Büste des Komponisten. Nach dem Sibelius-Park lernten wir das Tram Museum, das Olympiastadion, die Nationaloper, die Finnlandhalle und weitere Sehenswürdigkeiten kennen – aber nur von außen. Wir hatten nämlich nicht viel Zeit, stand doch das nächste Ereignis an: das gemeinsame Abendessen im Restaurant Laulu.
Dort hatten die Sangesbrüder aus Finland einen Saal gemietet, der für das Treffen wie geeignet erschien. Er diente einem Chor als Proben- und mitunter als Auftrittsort. An den Wänden hingen dementsprechend Bilder von ehemaligen Chorleitern, Vorsitzenden und auch Komponisten. Und der Abend hatte es in sich: es wurden nicht nur festliche Reden gehalten und Präsent übergeben, nein, es es erklang viel Gesang und Klaviermusik zwischen all den Essensgängen. Ein Chormitglied von Konkarit war früher Opernsänger und bewies mit einigen Arien aus italienischen Opern sein Können. Immer wieder wurden auch Lieder aus dem neuen Taschenheft „Toaste, Trinksprüche und Sängergrüße“ der Berliner Liedertafel vorgetragen. Gegen 23 Uhr verließen dann auch die letzten Gäste die Feier...um sich dann am Pfingstsonntag am gleichen Ort zur gleichen Zeit wieder zu sehen, zu feiern und gelegentlich auch etwas zu trinken, wobei die Preise für Getränke, insbesondere für Alkohol, leider nicht billiger waren.
Doch zurück zum Sonntagmorgen: dieser stand den Reisenden zur freien Verfügung, wie es so schön heißt. Einige von uns nutzen die Gelegenheit zum Besuch der Oddi-Zentralbibliothek und sollte die Leserin und/oder der Leser jemals nach Helsinki kommen, kann ich die Besichtigung dieser kulturellen Einrichtung nur empfehlen. Andere wiederum besuchten das Konzerthaus Musiikkito oder die wunderbaren Kunstmuseen, auch die Festungsinsel Suomenlinna war ein Thema.
Gegen 14 Uhr erfolgte der Bustransfer zur Deutschen Kirche. Um 16 Uhr begann dann der 2. Auftritt in Helsinki. Es handelte sich um ein gemeinsames Konzert vom Seniorchor Konkarit, dem Männerchor Cäcilia und der Berliner Liedertafel. Vincent Jaufmann hatte dafür zwei neue Lieder vorgesehn, nämlich „Freiheit“ von M- Müller-Westernhagen und die „Berliner Luft“ von Paul Lincke. Letzteres wurde begeistert von der deutschen Gemeinde mitgesungen. Anschließend trat der Seniorchor auf, u.a. mit dem „Gefangenenchor“ aus „Nabucco“ von Verdi, auf finnisch heißt es : Synnyinmaani, sä kallehin. Den Schluss des Konzetes zelebrierten dann alle 3 Chöre gemeinsam: „Die Nacht“ von Franz Schubert wurde auf Deutsch gesungen, „Finlandia“ auf Finnisch und von Chorleiter Olli Patosaari dirigiert. Begeisternden Applaus gab es hierfür!
Tja, und wie der Abend verlief hat der Autor bereits beschrieben, fast genauso wie der feierliche Abend zuvor. Und auch jetzt kostete das Bier (0,5l) sagenhafte 11,50 €…
(Osa 2 päättyy !)
Rudolf Göddertz